Vorstellungsgespräch? Frag nach dem Mentoring-Programm!

Vorstellungsgespräch? Frag nach dem Mentoring-Programm!

Als „Developer auf der Suche“ wird man oft Gelegenheit für ein Vorstellungsgespräch bekommen. Je nach Erfahrung hat man möglicherweise bereits eine Reihe von Fragen, die man dem potenziellen Arbeitgeber immer stellen kann. Vielleicht übersiehst du aber einen wichtigen Aspekt deines zukünftigen Jobs - die Möglichkeiten des Wissensaustausches. Es ist ein Benefit, der vielleicht nicht so auffällig ist wie die coolen Chillout-Räume mit Hängematten, mit denen Unternehmen gerne angeben, aber Wissen ist wirklich wichtig für dein berufliches Wachstum. In diesem Artikel möchten wir dich ermutigen, mehr auf die Mentoring- und Wissensaustauschprogramme an deinen zukünftigen Arbeitsplätzen zu achten. Wir werden auch unser eigenes Rezept für ein Mentoring-Programm teilen, das tatsächlich funktioniert.

Aber wozu sollte man sich überhaupt um Wissensaustausch kümmern?

Nichts ist einfacher, als die Vorteile von Wissensaustausch für Junior Developer zu zeigen. Zunächst einmal wächst auf diese Weise ein Programmierer. Ja, Tech-Websites, Blogs und Foren helfen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Sie können jedoch nicht mit einem echten Mentor aus Fleisch und Blut mithalten, der dich durch die unzähligen Wege der Software Entwicklung leiten kann. Wir haben viele Junior Developer gesehen, welche mit solchen Klassikern wie „Angular vs. React“ nichts anfangen können. Ein Mentor kommt zwar meist mit einer gewissen Voreingenommenheit, aber auch mit gehaltvollen Argumenten, die bei der persönlichen Wegfindung helfen können.

Wenn du in einem Softwarehaus oder einem Startup arbeitest, bist du oft lange Zeit an einen einzelnen Tech-Stack gebunden, sodass du dich bei zukünftigen Projekten nur auf dieses eine spezifische Wissen verlassen kannst. Egal ob du Junior oder Senior bist, eine Möglichkeit andere Frameworks oder Techniken zu diskutieren und kennenzulernen, bietet eine wertvolle neue Perspektive, die du nach Abschluss deines aktuellen Projekts in die Praxis umsetzen kannst. So etwas erweitert deinen Horizont auf sehr greifbare Weise.

Aber auch aus der Sicht von erfahrenen Developern sind Mentoring Programme interessant. Es ist eine Sache, ein A-Klasse-Performer zu sein. Aber anderen etwas beizubringen ist ein völlig andere Größenordnung. Man muss eine klare Struktur um das eigene Wissen bauen, um es weitergeben zu können. Und oft muss man obendrein das Fachwissen noch mehr vertiefen, um die Fragen des „Schülers“ richtig beantworten zu können.

Fazit ist, dass Software Entwicklung eine erbarmungslose Branche ist. Entweder man bleibt an der Spitze und lernt laufend mit, oder man ist irgendwann mal Schnee von Gestern. Aktiv in einer Community zu sein, welche sich gegenseitig pusht und motiviert, hilft auch ungemein. Sicher, es gibt viele Dev-Events wo sich Gleichgesinnte versammeln, und sicherlich helfen solche Veranstaltungen auch für die persönliche und professionelle Weiterentwicklung. Aber eine solche Art von unterstützender Community auch am Arbeitsplatz zu haben, verschafft jedoch noch viel, viel mehr Vorteile.

Bitte kein halbherziges Alibi-Mentoring

Wie die meisten Unternehmen stellen auch wir fest, dass generelle Stagnation zur „Abwanderung“ von Menschen führt. Um zu gewährleisten, dass die Leute nicht gelangweilt werden und mit Freude im Unternehmen bleiben, kann man verschiedene Dinge wie Mentoring-Sessions oder DevTalks einführen – die Namen sind eigentlich selbsterklärend. Dies sind Sachen, welche die Entwickler wirklich aktiv miteinbeziehen. Eine gesunde Mischung aus dem Wissensaustausch des 1-on-1 Mentorings und der sozialen Interaktion von größeren Events bietet eine sehr anregende Lernumgebung.

Challenge of the Month

Eine besonders spannendes Format möchten wir hier etwas genauer beleuchten, um die Wichtigkeit von wohl kultivierten Wissensaustausch zu zeigen. So funktioniert es:

  • Es gibt mehrere Mentoring-Gruppen, die von Senior Developern o. Ä., geleitet werden. Die Personen in den Gruppen arbeiten normalerweise nicht miteinander, was die ganzen Sache um einen Teambuilding-Aspekt erweitert.
  • Die Gruppenleiter stellen zusammen mit dem Lead Developer eine Challenge of the Month vor.
  • Die Teams arbeiten an ihrer Lösung und bereiten dann eine kurze Präsentation vor, wie sie mit der Challenge umgegangen sind.
  • Alle treffen sich einmal im Monat und die Teams präsentieren ihre Arbeit. Diese Präsentationen müssen ja nicht unbedingt unternehmensintern sein, es können gerne auch Talente von Extern mitmachen.
  • Die Teilnehmer können über ihre Lieblingslösung abstimmen. Das Gewinnerteam erhält die ehrenvolle Lizenz zu Prahlen – oder andere Belohnungen – und eine neue Herausforderung wird eingeführt.

Nicht besonders kompliziert, warum funktioniert so etwas? Ausschlaggebend ist hier das Element des Gruppen-Wettbewerbs, es fördert den Teamgeist und bringt zusätzlichen Ansporn für die Teilnehmer, sich ins Zeug zu legen. Die Teammitglieder verlassen sich auch nicht nur bloß auf den Gruppenleiter, sondern haben auch die Möglichkeit, ihr eigenes Engagement zu zeigen. Weiters können unterschiedliche Ideen und Lösungsansätze bei den verschiedenen Gruppen entstehen, die Präsentation zum Schluss bringt dann somit neue Perspektiven für alle.

Zu guter Letzt üben die Entwickler ihre rhetorische Kompetenz, indem sie ihre Lösungen während der DevTalks präsentieren. Diese Fähigkeiten sind oft unterschätzt. Entwickler sind in ihrer Tätigkeit nicht bloß einsam hinter ihren Bildschirmen barrikadiert, sondern müssen auch wissen, wie man mit Fragen – vom Publikum, von Kunden, von Teammitgliedern, etc. – umgehen. Die Lösungsansätze präzise und verständlich für Außenstehende zu formulieren vertieft das eigene Verständnis für ein Thema sehr stark. Dieses Challenge of the Month Format bietet auf gewisse Weise eine sichere Spielwiese, wo alle Beteiligten diese Fähigkeiten verfeinern können.

Was dann?

Man kann argumentieren, dass Mentoring per se nicht unbedingt ein Garant für eine großartige Selbstentwicklung ist. Natürlich gibt es bessere und schlechtere Mentoring Programme – ein weiterer Ansporn, sich danach zu erkundigen! Bist du unsicher, ob das Unternehmen bei dem du dich bewirbst das für dich passende Format anbietet? Um ehrlich zu sein, ein Unternehmen, das überhaupt nur irgendwas in die Richtung des Wissensaustausches unternimmt, ist vielversprechend. Fragen nach den jeweiligen Regeln und welche Rolle du selbst in so einem Programm spielen könntest.

Ein Unternehmen, dass das Wachstum ihrer Mitarbeiter fördert, ist ein gutes Unternehmen. Das kann man nicht genug betonen! Wenn dein potentieller Arbeitgeber deinen Erwartungen entspricht - großartig!