Entscheidungsfindung und UX/UI

Entscheidungsfindung und UX/UI

Mit anderen Worten: Wie spielt man Spiele mit den Leuten, mit denen man zusammenarbeitet?

Ich betrachte hier das Thema Ethik und konzentriere mich auf die Zusammenarbeit zwischen Designer und dem Team - der Prozess, nicht die Ergebnisse.

Es war – glaube ich – Jeff Parks, der sagte, dass ein kluger und wortreicher UX-Designer das Team in den meisten Fällen übertreffen kann. Die Sache ist, so etwas funktioniert nur kurzfristig - aus zwei Gründen:

  1. Irgendwann gibt es immer jemanden, der bloße Rhetorik für unzureichend hält – ein Product Owner? ein Kunde? ein Manager?
  2. Wenn etwas schief läuft, könne man nicht mit Verständnis rechnen

Eine gesunde Atmosphäre im Team ist wichtig, um ein Ziel zu erreichen und bequem arbeiten zu können. Und auf längere Sicht ist so eine Atmosphäre nur erreichbar, wenn die an einem Projekt beteiligten Personen alle zueinander fair sind.

Wie spielt man das „faire“ Spiel? Hier gibt es ein paar Richtlinien.

Rechtfertigung

Man hört es vielleicht nicht gern, aber mit der Einstellung „ich kenne mich aus, also habe ich recht“ zielt man fast nur Eigentore. Dieses Argument umgeht die meisten faktenbasierten Diskussionen und hemmt das eigentliche Engagement des restlichen Teams – immerhin gibt es ja sonst niemanden der sich auskennt, also braucht keiner mitzureden. So etwas fördert keine gute Diskussionskultur im Team.

Obendrein, wenn dann doch die Lösung von der Person „die sich auskennt“ nicht funktioniert, dann wird das restliche Team fast gar nicht mehr auf diese Person hören.

Also was sonst?

Wenn du eine Lösung vorschlägst, begründe sie! Beziehe dich auf Forschungsergebnisse/ein Buch/Studien/einen Artikel, demonstriere einen ähnlichen Fall aus der Vergangenheit oder versuche einfach, deine Lösung mit den Argumenten des normalen Menschenverstandes zu untermauern. Das Team wird deinen Gedankengang nachvollziehen. Je nachvollziehbarer die Entscheidungen vorher ausgearbeitet werden, desto größer ist auch das Engagement aller Beteiligten.

Was ist, wenn du dich nur auf dein Bauchgefühl verlässt? So hat man keine wirklich nachvollziehbaren Argumente. Verstecke das trotzdem nicht und sei echt. Sage offen, dass du dich auf dein Bauchgefühl verlässt, es wird dich noch vertrauenswürdiger machen.

Geständnis

Unsicherheit gibt es immer, sogar bei den erfahrensten Designer-Genies. Design ist schlussendlich keine mathematische Gleichung. Die Anzahl der Variablen, die beeinflussen, wie ein Produkt ankommt, ist immens. Niemand kann alle Variablen vorhersagen und schon gar nicht bewusst kontrollieren.

Entgegen weit verbreiteter Meinung muss man nicht die Antworten auf alle Fragen kennen. Was aber benötigt wird, ist die Idee, wie man zu einer Lösung findet.

Anstatt zu versuchen, irgendwelche Halb-Antworten auf Designprobleme zu erzwingen, würde ich viel lieber gestehen:

„Keine Ahnung, aber versuchen wir es mal so.“

Es ist sowohl für dich als auch für das Projekt sicherer.

Energie

Bei einem Designprozess geht es nicht darum, dass du so viele von deinen Ideen wie möglich pushst, sondern die besten Lösungen umzusetzen. So etwas vergisst man schnell.

Sich zu sehr an die eigenen Ideen zu klammern führt dazu, dass wir sie automatisch als besser betrachten. Zum Beispiel ist man während einer Validierung - auch unbewusst - leicht den eigenen Lösungen nachsichtiger, als wie bei den Ideen von jemand anderem. Es ist notwendig, sich dessen bewusst zu sein und wirklich alle Ideen als gemeinsame Ideen zu behandeln - der Kampf „Meins vs. nicht Meins“ ist immer zu vermeiden.

Wir sollten die Lösungen von weniger erfahrenen oder sachkundigen Personen nicht diskriminieren. Oft neigt man dazu, dass Inputs von solchen Personen im Vorhinein schon verworfen werden. Im schlimmsten Falle wird so aber die womöglich beste Lösung für ein Problem zurückgewiesen, nur weil der Vorschlag von der falschen Person stammt.

Hard Facts

Die beste Waffe von UX-Designern ist die Fähigkeit, Daten abzurufen und in der Praxis anzuwenden.

Behalte das im Hinterkopf. Sei am besten die Person mit den Fakten und Zahlen - Daten sammeln, Testen und Verifizieren. Erfahrung zeigt, dass aber einige Teams solche Facetten fälschlicherweise ignorieren. Es liegt an uns, ob wir unsere Teamarbeit auf harten Daten oder subjektiven Meinungen basieren lassen.

Perspektiven

Jeder UX-Designer sollte so etwas wie der Anwalt des Users sein. Aber auch ein guter Anwalt besteht nicht zuletzt auf die Unschuld des Mandanten – Kompromisse und Vergleiche werden zur richtigen Zeit auch eingegangen.

Im Design ist es eine ähnliche Geschichte: Unsere Ideen sollten auch technischen und geschäftlichen Aspekten entsprechen und nicht ausschließlich auf den Benutzer abzielen. Ein hervorragendes designtes Projekt ist wenig wert, wenn es die Umsetzung keinen geschäftlichen Sinn ergibt. Deshalb sollten wir nach Lösungen suchen, die die Erwartungen sowohl der Benutzer erfüllen und gleichzeitig die Bedürfnisse anderer berücksichtigen.

Wir können aber auch nicht ins andere Extrem übertreiben und den Benutzer komplett vergessen. Werden Entscheidungen im Team getroffen, dann kann durchaus auch einmal ein Veto zum Wohle des Users eingebracht werden. Der Kampf wird jedoch einfacher, wenn wir als diejenigen bekannt sind, die nach Kompromissen streben und sowohl das Team, als auch die User miteinbeziehen.