Start-up-Ideen realisieren – Wie ein Sandkorn zur Perle wird

Start-up-Ideen realisieren – Wie ein Sandkorn zur Perle wird

Das klassische Start-up-Dilemma: Brillante Idee, wenig Geld. Investoren müssen her. Diese verlangen aber nach mehr als nur einem Geistesblitz, und wenn er noch so hell ist. Verübeln kann man ihnen das nicht. Glänzende Start-up-Ideen gibt es wie Sand am Meer, die Mehrheit stellt sich binnen kurzer Zeit als Seifenblase heraus. Das liegt nicht unbedingt an der Start-up-Idee als vielmehr daran, dass sie zu einem Geschäftskonzept geformt werden muss. In diesem Artikel erfährt ihr, worauf zu achten ist, um ein Sandkorn zu einer Perle heranreifen zu lassen.

 

Start-ups gründen: Perlen sind auch das Symbol für Tränen

Von den gescheiterten Start-ups, die weit über die Hälfte ausmachen, bekommen wir nichts mit. Düstere Statistiken machen deutlich, dass man nur dann ein Start-up gründen sollte, wenn man zu 110 Prozent von der Idee dahinter überzeugt ist.

Die zumeist frisch von der Uni gekommenen „Start-uper“ gleichen ihre mangelnde Erfahrung mit einem hohen Maß an Eigeninitiative aus, was mitunter an den flachen Hierarchien und der Gewinnbeteiligung liegt. Die Kehrseite der Medaille bilden pausenlose Arbeitszeiten, unbezahlte Überstunden – ein 9-to-5-Job ist nicht – und eine Always-On-Mentalität. Dabei wird der Weg zum Burnout mit dem gebetsmühlenartigen Wiederholen von Motivationssprüchen begleitet. Am liebsten mit denen von Steve Jobs und seinen Heiligenbildchen und -figuren.

Menschen, die verrückt genug sind, zu denken, sie könnten die Welt verändern, sind diejenigen, die es auch tun.

Ich bin davon überzeugt, dass ungefähr die Hälfte dessen, was den Unterschied zwischen erfolgreichen und nicht-erfolgreichen Unternehmern ausmacht, reine Beharrlichkeit ist.

Wenn Du es bis jetzt noch nicht gefunden hast, suche weiter. Gib nicht auf. Wie bei allen Herzensangelegenheiten wirst Du es merken, wenn Du es gefunden hast. Und wie jede großartige Beziehung, wird es von Jahr zu Jahr immer besser und besser.

 

Dieser Einstieg soll nicht als Abschreckung fungieren, sondern betonen, wie viel Mut es erfordert, ein Start-up zu gründen. Und Planung. Und auch Glück.

Start-up-Ideen finden: Die Suche nach der Perle

Meistens findet man die Perle gar nicht. Darum begnügt man sich oftmals damit, bestehende Start-up-Ideen (teils geringfügig) abzuändern. Ein Patent auf eine Start-up-Idee anzumelden, die auf Webtechnologien basiert, ist kaum bis überhaupt nicht möglich.

Eine gute Start-up-Idee könnte überall stecken. Etwa in der unschönen Situation, nachts nicht mehr nach Hause zu kommen, wie bei Garret Camp und Travis Kalanick. Dabei soll ihnen die Idee für Uber gekommen sein. Vielleicht verbirgt sich die Perle ja auch in einem von vielen Post-it-verklebten Kreativitätssteigerungs-Workshops, aus denen sich in den letzten Jahren eine ganze Branche herausgebildet hat, samt pädagogischen Methodenkoffern und Basteltipps. Angeblich hat Einstein seine berühmte Formel E=mc² im Traum entdeckt. Inspiration bieten Websites wie der brutkasten oder tendingtopics. 

Hat man eine glänzende Start-up-Idee gefunden, muss sie noch zu einem Geschäftskonzept geschliffen werden. Dabei haben sich insbesondere zwei Werkzeuge als tauglich erwiesen.

 

Start-up-Ideen optimieren: Die Perle schleifen mit dem Business Model Canvas und Lean Start-up

Business Model Canvas

Im Rahmen seiner Dissertation an der Universität Lausanne entwickelte der Schweizer Alexander Osterwalder das sogenannte Business Model Canvas. Es wird heute überall auf der Welt genutzt, selbst von großen Unternehmen wie Adobe, NASA oder der WWF. Das Business Model Canvas vereint neun Schlüsselfaktoren, die für den Erfolg einer Start-up-Idee zu beachten sind. Es soll dabei helfen, das Geschäftsmodell in ein skalierbares System zu bringen und den Geschäftsplan visuell zu ergänzen, um Schwächen sichtbar werden zu lassen.

 

Lean Start-up

Start-ups stehen heute häufig in Verbindung mit Eric Ries Begriff „Lean“ (engl. „schlank“). Lean Start-up meint, schnellstmöglich eine Beta-Version des Produkts auf den Markt zu bringen. Der Produktionszyklus wird sehr kurz gehalten, um rasch auf Kundenfeedback reagieren zu können. Dabei wird die Start-up-Idee permanent optimiert, optimiert und optimiert, bis sie perfekt auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten ist. Mithilfe von Lean Start-up wird somit das erreicht, was große Unternehmen mit Monitoring-Techniken, Data Warehousing bzw. Analytics oder Feedback-Instrumenten im Web schaffen. Spätestens seit dem Web 3.0 sind Nutzer Konsumenten und Produzenten zugleich. Sie sind „Prosumenten“.

Doch auch nach dem Rollout muss weiter an der Perle geschliffen werden. Ein gutes Beispiel: Vor wenigen Jahren war StudiVZ noch die reichweitenstärkste Website Deutschlands. Das Konzept dahinter schien ausgereift. Doch mit Facebook entstand ein soziales Netzwerk, das durch erweiternde Funktionen den Nerv der Nutzer traf und es prompt zum meistgenutzten der Welt machte. Die Geschichte von StudiVZ wurde schneller geschlossen als sie begonnen hatte.

 

Start-up-Ideen vermarkten: Die Suche nach Investoren für die polierte Perle

Zwar sollte der Markt nach dem Lean-Start-up-Prinzip schnellstmöglich betreten werden, für den weiteren Verlauf empfiehlt es sich aber, Schritt für Schritt vorzugehen.

Die Investorensuche gestaltet sich nämlich wesentlich einfacher, wenn erste Markterfolge vorgelegt werden können (außerdem wird dadurch die Verhandlungsbasis gestärkt). Der Fokus auf eine eng adressierte Zielgruppe, sogenannte Early Adopters, die neuen Ideen gegenüber offen steht, ist deutlich effektiver, als gleich die ganze Welt zu adressieren. Man würde bei einer Kette ja auch nicht alle Perlen gleichzeitig durch die Schnur schieben.

 

 Fazit

Das Geheimnis, wie Perlen in der Natur entstehen, konnte bis heute nicht gelüftet werden. Dass ein in die Muschel eingedrungenes Sandkorn dafür verantwortlich ist, war nur eine falsche Vermutung. Dasselbe gilt für eine Start-up-Idee. Wie das Produkt am Ende aussieht, ob es überhaupt bei ihm bleibt, kann zu Beginn niemand abschätzen. Das entscheiden die Prosumenten. In sogenannten Akoya-Muscheln bilden sich Keshi-Perlen völlig ungeplant als zweite Perle. Wahrscheinlich ist es auch der Reiz des Ungewissen, der „Start-uper“ antreibt – und zurückschrecken lässt.

Aber wo wären wir heute ohne die Tüftler? Wahrscheinlich noch auf den Bäumen. Wenn deine Augen also immer noch glitzern, dann solltest du vielleicht ein Start-up gründen. Es empfiehlt sich, das Business Model Canvas und Lean Start-up im Hinterkopf zu behalten.