Beeinträchtigt der Mangel an Soft Skills die IT-Karrieren der Millennials?

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Da die sogenannten Millennials im Zeitalter der Information aufgewachsen sind, gelten sie als die technisch-versierteste Generation, die die Welt je gesehen hat. Infolgedessen wählt ein ständig wachsender Teil der jungen Arbeitskräfte STEM-Karrieren (Science, Technology, Engineering, Mathematics). Viele verfügen über ein Portfolio mit beeindruckenden technischen Fähigkeiten – Eine Tatsache, die über ihr junges Alter hinwegtäuschen kann.

Wenn es jedoch zu den sogenannten Soft Skills – also den sozialen Kompetenzen – kommt, haben Millennials hingegen recht wenig vorzuweisen. Das kann für Arbeitgeber oft frustrierend sein. Laut einer McKinsey-Studie, die im Jahr 2017 durchgeführt wurde, fällt es 40 % der Arbeitgeber schwer, Stellen zu besetzen, da es jüngeren Arbeitnehmern an wichtigen sozialen Kompetenzen mangelt, wie z. B. Kommunikationsfähigkeit, Teamarbeit und Pünktlichkeit. Eine PayScale-Umfrage, die im Jahr 2016 durchgeführt wurde, kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Manager bemängeln bei Millennials vor allem das Fehlen von Führungseigenschaften und Eigenverantwortung.

Soft Skills werden in der Tech-Branche oft ignoriert, denn es wird vor allem Wert darauf gelegt, technische Fähigkeiten up-to-date zu halten und massive IT-Projekte in knappen Zeitspannen abzuschließen. Wenn aber jüngere Mitarbeiter auch die Fähigkeiten zeigen könnten, zu kommunizieren, zu führen und mit anderen zusammenzuarbeiten, dann könnte ihnen das am Arbeitsplatz von großem Vorteil sein.

Warum also mangelt es Millennials an solchen Fähigkeiten und wie können sie diese entwickeln? Wir werfen hier einen genaueren Blick auf das Problem.

Warum mangelt es den Millennials an sozialen Kompetenzen?

Die größte Stärke der jüngeren Generation ist zum Teil für diese Schwäche verantwortlich. Da Millennials in Sachen Technologie so kompetent und abhängig sind, konnten viele von ihnen andere Fähigkeiten gar nicht richtig entwickeln – mal abgesehen von Aktivitäten an digitalen Geräten.

„Durch den Erfolgskurs der Technik verbringen sie ihre Zeit am Telefon oder hinter einem Bildschirm, also müssen sie gar keine persönlichen Kontakte schaffen, wie andere Generationen“ sagt Jill Jacinto, eine Millennial Karriere-Expertin. „Die moderne Technologie hat den Arbeitsplatz komplett verändert. Es ist heute einfacher, mit Menschen zu kommunizieren, indem man sich vernetzt. Die “reale” Kommunikation ist jedoch schwieriger geworden, weil man nicht persönlich aufeinandertrifft.“

Einige Studien haben gezeigt, dass soziale Ängste in persönlichen Interaktionen proportional zunehmen, je mehr Zeit man online verbringt.

Jenseits aller technologierelevanten Ursachen kann es noch einen weiteren, einfacheren Faktor geben: das Alter. Danny Nelms, Präsident von The-Work-Institute, deutet darauf hin, dass jede Generation in den frühen Stadien ihrer Karriere mit Soft Skills zu kämpfen hatte.

„Ich glaube, dass wir die Millennium-Generation zu sehr stereotypisieren, ohne eine richtige und empirische Forschung durchgeführt zu haben, die uns bestätigt, dass es etwas Einzigartiges an dieser bestimmten Generation gibt“, sagt Nelms. „Ich denke, dass alle jungen Arbeitstätigen ihre Probleme mit sozialen Kompetenzen hatten. Und ich glaube nicht, dass sich Millennials groß von anderen, vorhergehenden Generationen unterscheiden.“

Die Rolle der Firmen in der Entwicklung von sozialen Kompetenzen

Unabhängig davon, warum es jungen Mitarbeitern an sozialen Kompetenzen mangelt: Die Unternehmen müssen darauf reagieren. Diese Defizite am Arbeitsplatz auszugleichen bedeutet, dass die Ausbildung und die Entwicklung auf bestimmte Bedürfnisse zugeschnitten werden müssen.

Nelms glaubt, dass Firmen ihre junge Arbeiterschaft darin unterstützen müssen, sich ihren Fähigkeiten gerecht zu entwickeln. Die Generation X zum Beispiel fühlte sich eher im Rahmen eines persönlichen Coachings wohl, während jüngere Mitarbeiter Gruppenkurse bevorzugen.

„Es ist wichtig, dass Unternehmen die Effizienz gewisser Ansätze und verwendeter Methoden erkennen, um tatsächlich in ihrer jüngeren Belegschaft soziale Kompetenzen zu entwickeln“, sagt Nelms. „Wir müssen uns fragen, wie wir die Präferenzen der jüngeren Generation erkennen und Trainingsprogramme entwickeln können, die darauf ausgerichtet sind, ihnen genau die Fähigkeiten zu vermitteln, die ihnen fehlen.”

Wie eignet man sich Soft Skills an?

Wie können Tech-Mitarbeiter also soziale Kompetenzen entwickeln? Man kann sich zum Beispiel in Umfeldern bewegen, wo man diese neuen Fähigkeiten nutzen und entfalten kann.

Jacinto schlägt vor, sich professionellen Organisationen anzuschließen und an Netzwerkveranstaltungen teilzunehmen, wo man mit anderen interagieren muss, oder aber auch lokale Networking-Gruppen auf Meetup.com. Die Teilnahme an Projekten von diesen Organisationen hilft dabei, Teamarbeit, Eigenverantwortung und Kommunikationsfähigkeit zu entwickeln.

Unternehmen suchen oft nach Mitarbeitern, die Selbststarter sind. Es kann sich also lohnen, die Initiative zu ergreifen und eigenständig soziale Kompetenzen zu entwickeln und auch zu zeigen. Egal, ob man ein Nebenprojekt betreut, eine Führungsrolle übernimmt oder sogar in Meetings das Wort ergreift: Es ist ein Zeichen von Selbstmotivation und zeigt, dass man rundum professionell ist, und seine Position nicht nur auf technische Fähigkeiten beschränkt.

„Es geht darum, ständig an sich zu arbeiten, auch in Sachen Soft Skills“, sagt Jacinto. „Der beste Weg, dies zu tun, sind praktische Übungen. Der schwierigste Teil ist es, sich zu motivieren, diese Änderungen in Angriff zu nehmen.“