Schlechte Performance im Homeoffice – Wahrheit oder Mythos?

Schlechte Performance im Homeoffice – Wahrheit oder Mythos?

Die Arbeit außerhalb des Büros wird oft als weniger produktiv angesehen - aber stimmt das tatsächlich?

Daten und Fakten

Wie sich herausstellt, deuten alle bisherigen Untersuchungen auf eine Steigerung der Arbeitsleistung von Remote-Teams hin. Ein gut abgestimmtes, verstreutes Team führt im Durchschnitt zu einer Steigerung der Arbeitseffizienz um 13%.

Eine beträchtliche Anzahl von Managern befürchtet einen Leistungsabfall, bloß weil die Mitarbeiter nicht in Sichtweite sind. Dieses Anliegen hat jedoch eine rationale Erklärung: Ein paar Tage das Verhalten der Mitarbeiter zu beobachten reicht aus um misstrauisch zu werden, wie die Zeit dann zu Hause verschwendet werden könnte. Internet surfen und Social Media sind in fast allen Umfragen auf Platz 1, es wird in der Arbeit zeitlich sogar fast doppelt so viel gesurft wie zuhause.

Was soll das also heißen? Besonders, dass die „Leerzeit“ zuhause nur halb so lange ist wie in der Arbeit ist eigentlich ein positives Zeichen für den Fall des Homeoffice. So schmerzlich es auch klingen mag, aber wenn Mitarbeiter während der Arbeitszeit im Internet surfen oder ihre privaten Besorgungen erledigen möchten, dann geschieht das – sowohl zu Hause als auch während der Arbeit. Das wachsame Auge des Chefs hilft nicht so viel wie man meint.

Ein weiteres Beispiel, das Callcenter CTrip hat in Zusammenarbeit mit der Stanford University eine Untersuchung gemacht. Die zufällig ausgewählten Teilnehmer erledigten 9 Monate lang im Homeoffice ihre Arbeit. Die Hälfte der Mitarbeiter war zuhause, die andere Hälfte war die Kontrollgruppe, die im Büro blieb. Die Untersuchungsergebnisse und die gesammelten Leistungsbewertungen waren überraschend positiv: es konnte eine Leistungssteigerung von 13% beobachtet werden, unterbrechungslose Arbeitszeiten wurden länger eingehalten, es wurden auch mehr Anrufe pro Minute durchgeführt. Die Teilnehmer berichteten auch von einer gesteigerten Zufriedenheit mit ihrer Arbeit. Die Untersuchung war schlussendlich für das Unternehmen ein solcher Erfolg, dass auch nach dem Experiment den gesamten Mitarbeitern offen gestellt wurde, von zuhause zu Arbeiten – mehr als die Hälfte nahmen dieses Angebot an.

Remote Work hat einen weiteren – scheinbar schwer wahrnehmbaren – Vorteil, der es ermöglicht, Talente nicht nur aus der Umgebung des Unternehmens einzubeziehen. Die Fluggesellschaft JetBlue verfolgt diesen Ansatz. Das Unternehmen hat mit den Mitarbeitern vereinbart, mindestens 3 Stunden pro Woche im Büro zu arbeiten, und der Rest der Arbeitszeit bedeutet remote Arbeit oder Homeoffice. Für das Unternehmen stellte sich heraus, dass 3 Stunden weitaus genug sind, um eine solide Beziehung zum Team aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig hat JetBlue eine erheblich größere Reichweite bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. Darunter gut ausgebildete, qualifizierte Mütter. Bisher wurde diese Gruppe in anderen Organisationen als finanzielle Bedrohung angesehen, in JetBlue tragen sie zu einem effizienten Unternehmen bei.

Bereits während der Recruiting-Phase kann man einschätzen, ob ein Kandidat sich gut als Remote-Mitarbeiter eignet. Es steht eine viel größere Bandbreite an Kandidaten zur Auswahl, da man sich ja nicht nur auf den lokal-regionalen Arbeitsmarkt beschränkt.

Stellen Sie die Kandidaten ein, denen Sie auch vertrauen - natürlich, das ist ja offensichtlich. Mangelndes Vertrauen in einen Mitarbeiter weist auf eine schlechte Entscheidung bereits während des Recruitments hin. Es wurde schön von Chris Hoffman (IT Collective, 100% Remote-Unternehmen) ausgedrückt:

„Der physische Raum des Büros wurde von Managern als Sicherheitsnetz genutzt. Sie könnten eine Unordnung in ihrem Team schön säuberlich unter den Teppich kehren, anstatt sich darum zu kümmern. Die Möglichkeit, alle 15 Minuten im Korridor hin und her zu gehen, um jeden Microtask ihrer Mitarbeiter zu kontrollieren, kann – manchmal – schlechte Entscheidungen im Recruitment verbergen.“

Er meint auch, dass IT Collective die Zusammenarbeit einstellt, wenn ein Mitarbeiter nicht im Stande ist seinen Zeitplan und seine Arbeitsbelastung zu verwalten. So etwas bietet die Möglichkeit ein Team zu schaffen, wo jeder Mitarbeiter einen wertvollen Beitrag leistet.

Manager, keine Nanny

Die obigen Beispiele betonen einen wesentlichen Skill eines Managers: das Vertrauen in seine Mitarbeiter. Wenn Sie ein Arbeitgeber sind und sowieso nur davon ausgehen, dass Ihre eingestellten Mitarbeiter so arbeitswütig wie ein Bär im tiefsten Winterschlaf sind, ist dies möglicherweise nicht der richtige Ansatz – schon allein aufgrund der Self-Fulfilling Prophecy. Die resultierenden Ergebnisse folgen den geringen Erwartungen. So banal es klingt, aber es kann schon ausreichen, die Mitarbeiter wie verantwortungsbewusste Erwachsene zu behandeln, damit sie Ihre Erwartungen übertreffen.

Wenn Sie Mitarbeiter sind, stellen Sie sich die Frage: Was bevorzugen Sie – der Manager überprüft immer wieder mal die aktuelle Arbeit, oder der Manager bewertet zum Schluss die fertige Arbeit? Ich denke, die Wahl ist einfach schlussendlich hängt es ja auch von ihnen ab, ob Sie jemanden haben der ihnen ständig im Nacken sitzt. Arbeiten Sie im Einklang mit einer bestimmten Verpflichtung, und Sie werden überraschend viel Spielraum gewinnen.