Darum scheitern Entwicklungsprojekte

Darum scheitern Entwicklungsprojekte

Als Entwickler tappt man leicht in die Falle, zu glauben, dass alles, was wir entwickeln, seine beabsichtigte Wirkung hat.

Wir glauben gerne, dass das was wir machen ein Erfolg wird, also planen wir ein Projekt mit den hohen Erwartungen, dass es ein positives Ergebnis und eine hohe Kapitalrendite liefert. Daher investieren wir viel Zeit und Ressourcen in ein Projekt und begleiten es bis zum Abschluss, ohne mit der Wimper zu zucken. Dann, wenn es fertig ist, stellen wir es glücklich bereit  —  froh, dass es fertig ist.

Huhu! Stimmts?

Die Naivität des blinden Optimismus

Ich wage zu sagen, dass es extrem naiv ist nur auf Erfolg zu planen. Optimismus ist gut, aber blinder Optimismus ist ein Rezept für eine Katastrophe. Und die Planung mit Erfolgsannahme ist ein klares Beispiel für blinden Optimismus der katastrophale Folgen haben kann. Leider plagt dieses Problem die Kultur vieler großer und kleiner Technologieunternehmen.

Du kennst vielleicht die Konsequenzen, die blinder Optimismus mit sich bringt. Du hast zum Beispiel Tage, Wochen oder sogar Monate damit verbracht eine Komponente, ein Projekt oder eine Art Werkzeug zu entwickeln, das nie das Licht der Welt erblickt. Schlimmer noch, vielleicht hast du versucht eine eigene App zu entwickeln, nur um auf halbem Weg aufzuhören oder völlig zu scheitern, weil du entweder nicht richtig geplant hast oder von anderen Hindernissen überwältigt wurdest. Unabhängig von der Situation in der du dich befandst ist es schwer, dem sinkenden Gefühl zu entkommen, das mit einem Scheitern einhergeht und optimistische Erfolgsannahmen zunichtemacht.

Dieser Ansatz zur Problemlösung – zuerst bauen und später verifizieren – kann viele unbeabsichtigte Folgen haben, die wir nicht vorhersehen. Blinder Optimismus führt dazu, dass wir nur das Endziel sehen und alle Erfolgsfaktoren auf dem Weg verwerfen. Es ist, als ob wir aufhören zu planen, zu entwerfen und nicht mehr an das Publikum zu denken. Plane das Scheitern ein.

Pessimistischer Optimismus

Ja, Optimismus ist wichtig, ebenso wie die Visualisierung von Erfolg. Ein klares Ziel mit Disziplin zu verfolgen, eine offene Haltung und große Hoffnungen ermöglichen es Entwicklern, Hindernisse zu überwinden und ein Projekt bis zum Abschluss zu führen. Es ermöglicht uns, Dinge zu erledigen.

Die Wahrheit ist jedoch, dass wir nicht allwissend sind. Wir können nicht wissen, welche Auswirkungen unsere Produkte tatsächlich haben werden.

Es heißt nicht, dass du ausschließlich damit rechnen musst, dass du scheiterst, aber du musst dir die Möglichkeit einräumen, dass das was du baust möglicherweise nicht funktioniert. Deine Entwicklungsarbeit kann umsonst sein, die von dir gebauten Komponenten können nicht skalierbar sein und die gesamte Investition an Zeit und Ressourcen kann sich negativ auf das Unternehmen oder die Kunden auswirken.

Wenn du vor deinem geistigen Auge siehst, dass alles was du entwickelst irgendwann vielleicht unweigerlich abstürzt und zerstört wird, kannst du entsprechend planen. Du kannst deinen Entwicklungsprozess so planen, dass du fokussierter, akribischer und kalkulierter darauf bist, was und wie du entwickelst.

Auf diese Weise bist du im schlimmsten Fall weniger emotional in Bezug auf die Situation. Vielmehr bist du rationaler, wenn du beurteilst wie du fehlerhafte Prozesse, Skalierbarkeitsprobleme, schlechte Benutzereinbindung und stark gekoppelte/abhängige Beziehungen zwischen Funktionen beheben kannst. Du kannst einen Schritt zurücktreten und darüber nachdenken, wie du neue Prozesse implementieren möchtest. Du bist darauf vorbereitet, häufig zu testen, deine Fortschritte mit anderen zu teilen und Code auf sehr saubere, strukturierte Weise zu schreiben, damit er überlebt und für andere Sinn ergibt.

Die richtige Einstellung

Nun, dieser Artikel soll aber nicht kommunizieren, dass du grundsätzlich negativer denken musst! Das wäre die falsche Botschaft.

Vielmehr solltest du Pessimismus als strategisches Mittel nutzen, um eine optimistischere Karriere in der Entwicklung aufzubauen. Verwende negative Visualisierungen, um deine Fähigkeiten zu verbessern und den Optimismus zu ergänzen. Der Vorbehalt ist, dass du nicht zulassen solltest, dass solche negativen Visualisierungen dein Vertrauen in das, was du aufbauen willst, lähmen.

Entwickler spielen eine große Rolle bei der Weiterentwicklung der Technologie- und Geschäftswelt. Um einen effektiven Beitrag leisten zu können, musst du realistischer und bodenständiger bei den potenziellen Hindernissen sein, denen du begegnen wirst.

Lasse dich von der Vorstellung des Scheiterns nicht abschrecken. Lassen vielmehr deine Idee daraus gedeihen und versuche so besser zu werden.

Im Wesentlichen: einen Weg finden, ein Optimist zu sein, ohne ein Dummkopf zu sein.