SSI Schäfer IT Solutions GmbH
Markus Duft, Senior Software Developer bei SSI Schäfer IT Solutions
Description
Markus Duft von SSI Schäfer IT Solutions gibt im Interview Einblicke in seinen Berufsweg, wie er schlussendlich zum Software Development gekommen ist und was seiner Meinung nach wichtig für Beginner ist.
Beim Videoaufruf stimmst Du der Datenübermittlung an YouTube und der Datenschutzerklärung zu.
Video Zusammenfassung
In "Markus Duft, Senior Software Developer bei SSI Schäfer IT Solutions" erzählt Markus Duft von seinem unkonventionellen Weg: Schulabbruch, Mediendesign-Lehre und autodidaktisches Programmieren beim Bundesheer führten ihn zur damaligen Salomon Automation, wo er seit rund 20 Jahren arbeitet. Heute entwickelt er in der Plattformabteilung Infrastruktur für Kommunikation, Datenbanken, Netzwerk, Installation, Betrieb und Monitoring; technologisch geht es weg von Eclipse/Equinox‑Rich‑Clients hin zu Web (Angular) mit Java‑lastigem Backend, das künftig auf Quarkus setzt, sowie Datenbanken wie Oracle, SQL Server, H2 und Postgres, teils in sehr großen Domänen (~750 Tabellen, Terabytes). Er hebt die vielen klugen Köpfe und die familiengeführte, überstundenbewusste Kultur hervor und rät, auf Begeisterung statt vollständigem Detailwissen zu setzen: einfach anfangen und Wissen bei Bedarf aus Doku, Tutorials und AI‑Assistenten holen.
Vom Lehrabbruch zum Plattform-Profi: Was wir aus „Markus Duft, Senior Software Developer bei SSI Schäfer IT Solutions“ lernen können
Ein ungewöhnlicher Weg in die Softwareentwicklung
Selten hören wir eine Laufbahn, die so schnörkellos ehrlich und gleichzeitig so konsequent auf Können und Neugier basiert wie in der Session „Markus Duft, Senior Software Developer bei SSI Schäfer IT Solutions“. Markus Duft (SSI Schäfer IT Solutions GmbH) beschreibt seinen Start ohne Matura, mit einer Mediendesignlehre, den Abzweig über das österreichische Bundesheer – und wie er sich dort und danach Schritt für Schritt in die Softwareentwicklung hineingearbeitet hat. Ohne klassisches Studium, ohne großen Plan B. Dafür mit viel Selbstlernenergie.
„Das ist eine schwierige Geschichte... Ich habe angefangen mit einer Mediendesignlehre, nachdem ich die Schule abgebrochen habe und keine Matura habe... und mich dann beim österreichischen Bundesheer interessanterweise ein bisschen mehr mit Softwareentwicklung beschäftigt.“
Aus unserer DevJobs.at-Perspektive ist das einer jener Werdegänge, die zeigen, wie nachhaltig intrinsische Motivation wirkt. Markus schildert, wie er sich „reingefuchst“ hat – zuerst nebenbei, dann Vollzeit im Selbststudium – und sich nach dem Dienst beim Bundesheer entschlossen bei der damaligen Salomon Automation beworben hat. Seine Einreichung war, so sagt er selbst, „nicht wirklich irgendwas super Besonderes“, aber sie zeigte, was in der Zeit entstanden war: echte, greifbare Programmierergebnisse.
„Das hat wunderbar hingehaut. Das hat überzeugt... ich hab doch einiges zusammen programmiert in der Zeit – das war eigentlich, wie ich zur Firma gekommen bin.“
Heute, rund zwanzig Jahre später, ist Markus Senior Software Developer bei SSI Schäfer IT Solutions. Die Linie zwischen damals und heute lässt sich ziehen: Lust am Machen, Durchhaltevermögen im Lernen und die Bereitschaft, Verantwortung in grundlegenden Themen zu übernehmen.
Was ein Senior-Entwickler im Plattformteam wirklich tut
Markus beschreibt seine Rolle klar: Er ist ein „klassischer Senior Software Entwickler“. Das heißt für ihn vor allem eines: Code schreiben. Nicht an der Peripherie, sondern tief in den Grundlagen der Plattform, auf der andere Teams aufbauen.
„Wir haben eine relativ große Plattformabteilung... wir machen alles, was wir brauchen, damit alle anderen unsere Softwareprodukte sich nicht mehr um diese ganzen kleinen Infrastrukturdetails kümmern müssen.“
Was bedeutet das konkret? In seiner Beschreibung steckt das gesamte Set an Querschnittsaufgaben, die moderne Produktteams entlasten:
- Kommunikation zwischen Softwarekomponenten ermöglichen
- Datenbankanbindung und -zugriff vereinheitlichen
- Netzwerkthemen klären und abstrahieren
- Installierbarkeit, Betrieb und Überwachung der Software sicherstellen
Oder zugespitzt: Plattformarbeit schafft gemeinsame, robuste Bausteine, damit Feature-Teams sich auf Domänenlogik konzentrieren können. Aus unserer Beobachtung ist dies exakt der Kern von gut verstandener Plattform-Engineering-Praxis – und Markus bringt es ohne Buzzwords auf den Punkt: „Diese ganzen Sachen werden alle bei uns erledigt.“
Teamkultur: Fachliche Tiefe und spürbare Entspanntheit
Es sind zwei kulturelle Marker, die Markus hervorhebt und die uns im Gespräch besonders in Erinnerung bleiben: die Dichte an Fachkompetenz und die besondere Atmosphäre eines familiengeführten Unternehmens.
„Ich finde es unpackbar, was dort für ein Haufen schlauer Köpfe zusammenkommt... Man kann wirklich mit jedem super tief technische Gespräche führen... man kommt auf seine Lösungen.“
Diese Dichte erzeugt aus seiner Sicht einen produktiven Resonanzraum: Wer feststeckt, findet Sparring. Wer tiefer einsteigen will, trifft auf Menschen, die ebenso tief denken. Keine Eitelkeit, sondern Ergebnisfokus.
Der zweite Aspekt betrifft die Unternehmensform:
„Das Ganze [ist] ein familiengeführtes Unternehmen... da ist kein Börsendruck dahinter... das ist halt einfach sehr entspannte Atmosphäre.“
Spannend ist, wie Markus ein mögliches Missverständnis adressiert: „familiär“ meint nicht „grenzenlose Verfügbarkeit“ oder „unausgesprochene Überstundenkultur“. Im Gegenteil.
„Bei uns wird da wirklich sehr darauf geachtet... dass eben genau das nicht passiert: zu viele Überstunden, zu viel reinhängen, die Familie [und] das Privatleben vernachlässigen – das gibt’s bei uns so nicht.“
Für uns ist dieser Punkt mehr als ein Randnotiz: Eine starke, langfristig tragfähige Engineering-Kultur entsteht dort, wo Menschen ihre Leistungsbereitschaft mit einem nachhaltigen Alltag verbinden können. Markus’ Schilderung zeigt: Hier wird darauf geachtet – nicht nur in Richtlinien, sondern im gelebten Miteinander („gegenseitig aufeinander geachtet“).
Tech-Stack im Wandel: Von Rich-Client und OSGi zu Web-Frontends und Quarkus
Technologisch zeichnet Markus ein Bild, das uns an evolutionäre Architektur erinnert: bewusstes Weiterentwickeln, ohne die Stärken funktionierender Bausteine zu vernachlässigen. Sein Überblick ist ungewöhnlich breit – und legt nahe, wie vielfältig die Systemlandschaft ist, in der er arbeitet:
- Programmiersprachen, die er in zwanzig Jahren in der Hand hatte: Assembler, Perl, Python, Shell Scripts, C, C++, Java, Kotlin, JavaScript, TypeScript – „you name it, wir haben’s“.
- Frontend: Angular auf der Website, getrieben von einer starken Web-Frontend-Bewegung („da passiert ganz viel“).
- Backend: „sehr stark Java-lastig“ und „sehr zufrieden“, perspektivisch ohne große Änderung.
Frameworks und Architekturen im Wandel:
- Historisch „sehr stark auf Eclipse und Equinox“ (OSGi-basierte Applikationen) mit Rich-Client-Anwendungen direkt am Desktop.
- Heute: mehr Web, Migration weg vom Rich-Client-Paradigma.
- Fürs Backend: Fokus auf Java mit Quarkus, nicht mehr auf Eclipse/Equinox.
Datenbanken:
- Oracle und Microsoft SQL Server produktiv im Einsatz; für Entwicklung H2 und Postgres.
- Die Auswahl hängt „ganz stark“ vom Applikationsteil ab: Welche Datenbank, in welchem Umfang – „quer durch die Bank ganz unterschiedlich“.
Größenordnung:
„Unser allergrößter Applikationsteil... [hat] so um die 750 Tabellen... und da kommen die Terabytes schon – das ist wirklich groß.“
Dieses Detail ist bemerkenswert, weil es das Spannungsfeld illustriert, in dem Plattformarbeit geschieht: breite technologische Abdeckung, gewachsene Systemteile und gleichzeitig die Notwendigkeit, in angemessenen Schritten zu modernisieren – ohne Stabilität zu gefährden.
Plattformarbeit als Hebel: Was wir aus Markus’ Beschreibung ableiten
Markus’ Schilderung der Plattformabteilung lässt mehrere Prinzipien erkennen, die in vielen Engineering-Organisationen Wirkung entfalten:
- Abstraktion vor Individualisierung: Einmal sauber gelöst, vielfach genutzt. Ob Datenbankzugriff, Netzwerk oder Interprozesskommunikation – dort, wo viele Teams dieselben Querfunktionen brauchen, entstehen gemeinsame Services.
- Betrieb mitdenken: „Installieren, betreiben, überwachen“ – also der Sprung von „es läuft auf meinem Laptop“ hin zu Wiederholbarkeit und Beobachtbarkeit unter Produktionsbedingungen.
- Enabler-Rolle statt Gatekeeping: Plattformteams schaffen Möglichkeiten und entlasten, statt zusätzliche Hürden zu bauen. Markus’ Tonfall und Beispiele deuten genau darauf hin.
Für uns ist das ein Lehrstück in stillem Handwerk: Keine lauten Claims, sondern robuste Grundlagen, die andere produktiv machen.
Lernen ohne Perfektionismus: Motivation schlägt Vollständigkeitsanspruch
Im zweiten Schwerpunkt der Session spricht Markus direkt zur Lernhaltung – und macht Mut, ohne Umschweife:
„Es braucht ein gewisses Maß an Begeisterung... Der Fokus auf ‚ich muss alles ganz bis ins letzte Detail wissen‘ – das ist heutzutage nicht mehr so relevant.“
Begründung: Es gibt „so viele Tutorials, so viel Dokumentation, so viele Online-Quellen“, um Wissen situativ aufzubauen. Auch „AI-Assistenten“ erwähnt er explizit als Hilfe, wenn man mal nicht weiterweiß. Sein Rat ist so schlicht wie kraftvoll: hinsetzen und anfangen.
„Die Motivation ist das Wichtige, hinsetzen, einfach mal anfangen.“
Für angehende und erfahrene Entwicklerinnen und Entwickler lässt sich daraus eine praktische Haltung destillieren:
- Fokus auf Machen: kleine Schritte, echte Artefakte, schnelles Feedback.
- Recherchekompetenz statt Gedächtnisleistung: Wissen finden, bewerten und anwenden.
- Neugier pflegen: dranzubleiben, auch wenn der erste Ansatz scheitert.
Die Saat früh gesät: QuickBasic, ein Taschenrechner – und eine Erinnerung
Eine kurze Anekdote verankert Markus’ Lernweg emotional. Mit zwölf Jahren experimentiert er in QuickBasic, baut einen Taschenrechner – weit weg vom professionellen Programmieren, aber nahe genug, um Faszination auszulösen.
„Das war noch weit entfernt vom Programmieren... aber... superinteressant, einfach einen Taschenrechner zu bauen... und ein bisschen was von der Begeisterung ist dann hängen geblieben.“
Er geht später zwischenzeitlich andere Wege, doch die Begeisterung „ist dann wieder zurückgekommen“. Für uns ist das ein starkes Bild: Manchmal braucht es nur einen kleinen, gelungenen Prototypen, um den Funken zu entfachen – und Jahre später abgelegt, kann er erneut leuchten.
Von der Bewerbung zur Wirkung: Warum konkrete Ergebnisse zählen
Bemerkenswert an Markus’ Einstieg ist die Nüchternheit, mit der er seinen damaligen „Werkstapel“ beschreibt. Nicht „super besonders“, aber greifbar. In Bewerbungen von Entwicklerinnen und Entwicklern sind es häufig genau diese nachvollziehbaren, funktionierenden Ergebnisse, die überzeugen – besonders, wenn kein formaler Abschluss im Rücken steht.
Aus der Schilderung lesen wir drei zugrunde liegende Mechanismen heraus:
- Sichtbare Eigeninitiative: Selbstgebautes zeigt Motivation ohne Floskeln.
- Lernradius belegen: Unterschiedliche kleine Projekte signalisieren, dass jemand sich neue Themen erarbeiten kann.
- Ehrliche Selbsteinschätzung: Kein Overselling, sondern belastbare Substanz.
Markus’ Weg bestätigt: Wer liefern kann, gewinnt Gehör – und Gelegenheit, weiterzuwachsen.
Technologien im Überblick: Breite als Stabilitätsanker
Die Liste der Technologien, die Markus in der Hand hatte, ist lang – und sie erzählt von viel Pragmatismus. Statt romantischer Monokultur setzt die Organisation offenbar auf „das Passende für den jeweiligen Kontext“. Einige Punkte stechen hervor:
- Sprachbreite: Von Assembler bis TypeScript, von C/C++ bis Kotlin.
- Modernisierung mit Maß: Weg vom Rich-Client und OSGi hin zu Web-Frontends mit Angular; im Backend weiterhin Java – künftig verstärkt mit Quarkus.
- Datenbankvielfalt: Oracle, Microsoft SQL Server, Postgres und H2 – kontextabhängig, je nach Applikationsteil.
Gerade die Größenordnung des größten Applikationsteils („um die 750 Tabellen“) macht deutlich, warum Modernisierung nicht als „Big Bang“ funktioniert. Vielmehr entsteht ein Migrationspfad: Kopplungen lösen, Services neu zuschneiden, Oberflächen schrittweise ins Web verlagern – während das Backend stabil weiterläuft. Markus beschreibt genau diesen Zustand: Wandel mit Bodenhaftung.
Kultur als Betriebssystem: Tiefe Gespräche, gesunde Grenzen
Wenn man Markus zuhört, tauchen zwei wiederkehrende Muster auf: Tiefe technische Diskussionen als Normalzustand – und klare Grenzen, wenn es um Überlastung geht. Beides ist spürbar alltagsnah:
- „Mit jedem super tief technische Gespräche führen“: Dazu gehört Vertrauen, eine gewisse Fehlerfreundlichkeit und das gemeinsame Ziel, Lösungen zu finden.
- „Gegenseitig aufeinander achten“: Eine präventive Form von Teamgesundheit, die nicht erst dann aktiv wird, wenn es brennt.
Für uns ist das ein starkes Signal an Tech-Talente: Nachhaltigkeit entsteht dort, wo Expertise nicht in Silo-Prestige mündet, sondern geteilt wird – und wo Arbeitszeit kein Wettkampf ist, sondern Mittel zum Zweck.
Was wir Entwicklerinnen und Entwicklern aus dieser Session mitgeben
Markus’ Weg und Worte lassen sich auf konkrete Handlungsimpulse herunterbrechen. Aus unserer DevJobs.at-Sicht sind diese sieben besonders relevant:
- Starte, wo du stehst: Ein formaler Abschluss hilft, ist aber keine zwingende Eintrittskarte. Zeig, was du gebaut hast.
- Baue greifbare Artefakte: Kleine Tools, Skripte, Demos – echte Ergebnisse überzeugen mehr als Foliensätze.
- Lerne situativ: Nutze Dokumentation, Tutorials und Wissensquellen bedarfsorientiert – Perfektionsdrang bremst.
- Pflege die Freude: Begeisterung ist ein erneuerbarer Rohstoff. Sie trägt dich durch Flauten und Umbrüche.
- Suche Tiefe im Dialog: Technische Gespräche bringen dich schneller voran als Alleingänge.
- Achte auf Betrieb und Beobachtbarkeit: Installation, Betrieb, Monitoring – wer das mitdenkt, baut tragfähige Systeme.
- Nimm Wandel als Normalzustand: Rich-Client zu Web, Eclipse zu Quarkus, DB-Vielfalt – Modernisierung ist ein Weg, kein Sprung.
Zitate, die hängen bleiben
Manchmal bringen einzelne Sätze die Essenz auf den Punkt. Drei davon aus „Markus Duft, Senior Software Developer bei SSI Schäfer IT Solutions“ nehmen wir mit:
„Diese ganzen Sachen werden alle bei uns erledigt.“ – über die Plattformabteilung und ihren Enabler-Anspruch.
„Da ist kein Börsendruck dahinter... eine sehr entspannte Atmosphäre.“ – über das Umfeld eines familiengeführten Unternehmens.
„Die Motivation ist das Wichtige, hinsetzen, einfach mal anfangen.“ – über Lernen ohne Perfektionismus.
Fazit: Handwerk, Haltung, Hebelwirkung
Markus Duft zeigt, wie aus einem unkonventionellen Start eine tragfähige Senior-Rolle wird – getragen von Lernfreude, Beharrlichkeit und dem Willen, dort zu arbeiten, wo die Basis entsteht: in der Plattform. Seine Einblicke in Tech-Stack und Migration – von OSGi/Rich-Client zu Web/Angular und einem Java-Backend, das auf Quarkus setzt – sind nüchtern und klar. Ebenso klar ist der kulturelle Rahmen, den er beschreibt: fachliche Tiefe, respektvolles Miteinander, gesunde Grenzen.
Für uns bei DevJobs.at ist diese Session ein Plädoyer für die Kombination aus Motivation und Substanz. Wer beginnt, liefert und lernt, findet Türen, die sich öffnen – auch ohne klassische Bildungsbiografie. Und wer Plattformarbeit ernst nimmt, baut nicht nur Software, sondern auch die Voraussetzungen, damit viele andere produktiv und nachhaltig wirken können.
In diesem Sinne ist die Geschichte von Markus Duft weniger eine Ausnahme als eine Einladung: Fang an. Baue. Teile. Und bleib neugierig.