TechLead-Story: Karl Wannenmacher, Head of Public Safety Products von Frequentis

TechLead-Story: Karl Wannenmacher, Head of Public Safety Products von Frequentis

Team

Wir haben in Public Safety, in unserer R & D Organisation ca. 90 Mitarbeiter. Das teilt sich so auf, dass wir ungefähr 30 Mitarbeiter in Wien haben, im Headquarter, dann haben wir – ungefähr ähnlich so viele – auch ca. 30 Mitarbeiter in unserer Niederlassung in Cluj in Rumänien und jeweils 15 Mitarbeiter in Bratislava und auch in Lublin und in Polen. Also es ist auf vier Standorte verteilt – ein hochgradig verteiltes Team und wir versuchen so in dieser Konstellation unsere Produkte zu entwickeln.

Zum Scrumprozess vielleicht noch: also wir fahren einen Scrumprozess, das heißt alle zwei Wochen wird Software released von allen Teams, die auf diesen vier Standorten verteilt sind. Und das ist bei uns so organisiert, dass uns von Anfang an immer sehr wichtig war, dass diese Teams möglichst co-located sind. Das heißt ein Team soll die Möglichkeit haben – wenn sie das möchten – in einem Büro in einem Office zu sein, dort auch diese Vorteile der Co-Location zu nutzen. Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, auch wenn sich jetzt mit Homeoffice das eine oder andere wieder ein bisschen verändert hat, aber im Wesentlichen ist das immer noch unser bevorzugtes Modell. Die Teams haben dort ihre Flipcharts, die haben dort ihre lokalen Möglichkeiten der Zusammenarbeit die man einfach in einem virtuellen Team so nicht hat. Dann gibt es in Summe diese aktuellen neuen Scrum-Teams, die über diese vier Niederlassungen verteilt sind. Jedes Team mit einer gewissen Expertise, das heißt wir versuchen auch diese Public Safety Domäne möglichst so zu schneiden, dass ein jedes Team eine Heimat findet und auch eine Gewisse Verantwortung übernehmen kann im Sinne eine Ende-zu-Ende Verantwortung und alle zwei Wochen am Sprint Ende wird dann diese Software abgeliefert, integriert und getestet.

Und so geht es dann weiter, dass man einmal im Jahr eine große Produktrelease erstellt mit all diesen Funktionen, die entwickelt worden sind und auch mehrmals im Jahr dann kleinere Releases, bei Bedarf.

Recruiting

Recruiting läuft bei uns so, dass ab dem ersten Tag jemand von HR sozusagen diesen Prozess begleitet. Also da gibt es einen Kollegen, eine Kollegin aus der Personalabteilung, der oder die uns von Anfang an und begleitet und sowohl den Kandidaten als auch den Hiring-Manager, der diesen Prozess gestartet hat, dort durchführt und dann hängt es bis zu einem gewissen Grad von der Rolle ab.

Üblicherweise ist es so, dass die HR Abteilung einmal einen ersten Kontakt hat das erste Gespräch mit dem Bewerber führt. Und wenn man erkennt, da gibt es eine gute Überdeckung mit dem Profil, dann gibt es sehr, sehr rasch auch ein erstes Gespräch mit der Fachabteilung, wo möglicherweise der Hiring-Manager dabei ist, möglicherweise auch schon ein Fachexperte, und man dort ein Gespräch führt, auch schon in die Technik einsteigt und schaut, passt die Erfahrung passt der Skill Level, ganz wichtig passt das Mindset – also wir sind schon interessiert daran, dass es auch wirklich persönlich ein guter Fit ist der da entsteht.

Und wenn man die Hürde genommen hat – also das erste Gespräch mit der Fachabteilung – dann gibt es in den meisten Fällen noch ein zweites Gespräch, wo auch wieder abhängig von der Position die wir ausgeschrieben haben, mitunter auch ein Fallbeispiel kommen kann, wo man den Kandidaten vorab das Fallbeispiel übermittelt und der oder die Kandidatin sich dann überlegt, wie könnte ich das Problem lösen, und dann in diesem Zweitgespräch steigt man in einen Dialog ein mit der Fachabteilung und bespricht gemeinsam die Lösung.

Und wenn man die Hürde geschafft hat, dann ist man schon sehr sehr weit, dann kann's noch sein, dass man noch das Team kennenlernt – vor allem wenn das eine sehr integrierte Position ist, beispielsweise in einem Scrum Team schauen wir schon noch immer, dass man das Team kennenlernt.

Und dann hat man es geschafft und ist ein Teil der Frequentis Familie und Teil der Public Safety R & D Organisation, so läuft es üblicherweise ab.

Vielleicht noch zum Mentoring, zum Tutoring. Das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt von unserem Onboarding. Das heißt am ersten Tag habe ich einen Welcome Workshop, in dem mir mal prinzipiell erklärt wird, wie tickt die Frequentis so, was sind die wichtigen Abteilungen, was sind die wichtigen Prozesse die gerade in den ersten Wochen relevant sind und dann gibt es einen eigenen Tutor in der jeweiligen Fachabteilung – also aus meinen Team – der mich von diesem Welcome Workshop abholt und dann mich die ersten Wochen begleitet und mir die wichtigsten Tools zeigt, mir zeigt wie das Team funktioniert, die ersten Kontakte mit mir knüpft und so haben die Mitarbeiter innerhalb wenigen Wochen schon ein eigenes kleines Netzwerk aufgebaut und finden sich erfahrungsgemäß sehr gut und sehr schnell zurecht – auch in der Frequentis.

Technologien

Technologisch sieht es bei uns so aus, dass wir sehr stark unterscheiden, zwischen Back End Technologie und Front End Technologie. Wir versuchen eine Microservice Architektur umzusetzen. Jetzt nicht in allen Facetten so wie man es vielleicht by the book kennt, aber mit den Aspekten die aus unserer Sicht einfach relevant sind für das was wir tun. Diese Micro Services werden in Java implementiert, wir verwenden verschiedenste Persistenz Technologien für diese Services, das kann sein ein relationale Datenbank, dass kann sein Dokument orientierte Datenbank wie MongoDB beispielsweise, wir haben Elasticsearch mit dabei unseren Stack, wir haben In-Memory Data Grids mit dabei für spezielle high Performance Applikationen und nutzen dann diese Java Dienste im Back End um die Domäne in dieser kleinen Micro Services herunter zu brechen und dort diese Funktionalität zu implementieren. Am Frontend setzten wie sehr stark auf Webtechnologie, dass heißt HTML5 als ganz großes zentrales Technologie Thema, CSS3, JavaScript. Diese Front Ends sind Rich Internet Applications, die möglichst dann nur mehr die Anzeige übernehmen um den Datenaustausch mit dem Back End. Für den Datenaustausch verwenden wir WebSocket Kommunikation, das heißt wir können da asynchron zwischen dem Back End und dem Frontend End sehr effizient auch diese Kommunikation realisieren. Was wir seit ca. zwei Jahren auch recht intensiv nutzen, ist WebRTC. Das ist auch eine Technologie mit der wir Videos und auch Sprache direkt in den Browser streamen können, das heißt wir haben so auch die Möglichkeit am Arbeitsplatz des Disponenten in der Leitstelle auch wirklich nur mehr den Browser zu nutzen und brauchen keine weitere Software dort zu installieren.

Herausforderungen

Ja, also eine der größten Herausforderungen der Frequentis generell – aber vielleicht jetzt speziell im Public Safety, weil wir da am weitesten sind ist – ist sicher das Thema Zentralisierung. Also wenn man sich das anschaut, wo kommt die Firma her und wie hat eine Leitstelle noch vor zwanzig, vor fünfzehn Jahren ausgeschaut, dann war das eigentlich immer so, dass man eine Leitstelle hat, die für einen gewissen regionalen Bereich zuständig ist und direkt in der Leitstelle habe ich die Technik. Da gibt es einen Technikraum, da ist mein Sprachkommunikationssystem, da ist mein Einsatzleitsystem und wenn dieses System ausfällt, dann ist es zwar tragisch für diesen jeweiligen Einzugsbereich der Leitstelle, aber die nächste Leitstelle hat ihr eigenes System und kann weiter arbeiten, das heißt da gibt es keinerlei Wechselwirkungen.

Wenn man sich ansieht wo der Trend hin geht, dann erkennt man hier sehr stark eben diesen Trend zur Zentralisierung. Das hat Kostengründe, das hat Effizienzgründe, das heißt man versucht mehr und mehr Leitstellen über ein zentrales System zu versorgen. Dann gibt es irgendwo ein Datacenter – üblicherweise auch ein zweites, aus Redundanzgründen – und in diesem Datacenter ist die jeweilige Lösung installiert und die Leitstellen greifen nur mehr auf die Lösung zu, also haben im Prinzip nur mehr den Arbeitsplatz, aber keine Technik mehr direkt in der Leitstelle.

Und da kann man sich dann schon vorstellen, welche neuen Herausforderungen da noch zusätzlich auf uns zukommen: Das ist einerseits die Angriffsfläche für Cyber Attacken beispielsweise, die wesentlich größer wird dadurch. Die Systeme werden komplexer, es gibt Wechselwirkungen über die Leitstellen hinweg. Und all das gilt es zu designen, zu beachten und in unseren Softwarelösungen dann auch umzusetzen.

Das ist aus meiner Sicht schon eine der großen Herausforderungen mit denen wir uns aktuell beschäftigen.

 

 

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Karl Wannenmacher

Interview im December 2021