TechLead-Story: Günter Graf, VP New Business Development von Frequentis

TechLead-Story: Günter Graf, VP New Business Development von Frequentis

Team

Von der Organisation her ist es so, dass wir sehr viel flexibler aufgestellt sind als ein normales Dev-Team das ein Produkt hat mit 25 Kunden darauf das halt sozusagen eher einen strengeren Prozess fahren muss. Wir sind ja meistens in Bereichen unterwegs wo wir teilweise noch nicht genau wissen wie es zu Schluss aussehen wird. Das heißt wir müssen etwas ausprobieren, das heißt wir müssen mal was prototypisch implementieren, das heißt aber auch, dass die Entwickler flexibler zusammenarbeiten. Wir schließen uns über die Niederlassungen hinweg – also die Frequentis hat ja mehrere Niederlassungen, mittlerweile über Europa und die ganze Welt auch mit Entwicklungsressourcen verteilt. Sei es jetzt zum Beispiel bei mir im Team ein Lead-Developer sitzt aber dann auch in Bratislava oder Karlsruhe oder sonst wo auf der Welt jemand. Und die machen dann gemeinsam, weil sie auch eine Expertise haben, einen bestimmten Prototypen, arbeiten gemeinsam an einem Forschungsprojekt – zum Beispiel wie jetzt im Flugsicherungsbereich Artificial Intelligence anzuwenden um die Slotverteilung zwischen den Fliegern auf einem Flughafen möglichst zu optimieren. Das machen wir zum Beispiel für die Schweizer Flugsicherung und die Swiss. Also solche Projekte treiben wir in der Vorentwicklung. Gleichzeitig gehen wir aber dann auch hin und wenn wir merken Okay da wir jetzt interessant, das machen wir zum Beispiel im Thema Drohnen, das machen wir auch im Thema mission critical services, das heißt das Polizei, Rettung Feuerwehr kommunizieren kann – dort sehen wir das der Markt 2025, 2030 sehr groß sein wird. Warum – weil dort bestehende Technologie ausgetauscht werden oder die 5G Technologie so weit ist, dass sie auch für sicherheitspolitische Bereiche angewendet wird. Dort haben wir im Moment sehr viele Forschungsprojekte und da beginnen wir die Produktentwicklung. Und beginnen Produktentwicklung ist natürlich immer spannend für Entwickler, weil auf der einen Seite hat man doch sehr viele technologische Freiheitsgrade, auf der anderen Seite ist halt noch ein bisschen unklar, was die 100-prozentige Lösung zum Schluss ist. Das ist uns aber bewusst, damit gehen wir um, das ist sicherlich auch der Reiz bei uns, in der Entwicklung und in der Technologie zu arbeiten.

New Business Development

New Business Development in der Frequentis, wir beschäftigen uns im Prinzip mit Technologien, die noch nicht ganz ausgeholt sind, die noch nicht am Markt ganz normal gibt, sondern die man jetzt noch vorentwickeln muss. Was heißt bei uns Vorentwicklung: das heißt ja letztendlich wir beschäftigen uns über Jahrzehnte oft mit neuen Standards, weil wir machen, dass weltweit. Wenn wir für Flugsicherung und für die public safety Organisationen oder für die Eisenbahn neue Technologien auf den Markt bringen, ist es ja nicht wie in einem normalen Startup, wo man sage ich probiere mal was aus und dann gehe ich auf den Markt, sondern die Kunden sind in einem sicherheitskritischen Umfeld. Das heißt aber, die wollen auch probieren, die wollen sich auch überlegen, was tun sie da. Und deshalb gibt es doch relativ an mittlerweile schon etablierten Prozess der beginnt auf der einen Seite mit einer Ideengenerierung, auf der anderen Seite auch sehr stark mit Forschung und Entwicklung. Das heißt ich habe in meinem nbd-Team eine Corporate Research Abteilung, die sich mit der Zukunft beschäftigt, die erste Prototypen baut, die mit anderen in Europa zusammenarbeitet und mal ausprobiert, was könnte man tun, wenn man die Flugsicherung anders organisiert, wenn man den Eisenbahnverkehr anders organisiert. Und darin passiert natürlich auch sehr viel Entwicklung.

In der Abteilung NBD führen wir auch ein Start-up Center. Also wir wollen für die Frequentis auch die Möglichkeit bieten, dass Leute, die in unserem Technologieumfeld oder in unserem Domänenumfeld vor allem eine Idee haben, die auch fördern. Dafür betreiben wir ein Start-up Center in der Vorhausgasse, manchmal schon seit 20 Jahren und versuchen immer wieder Technologieinnovationen dort auch hochzuziehen, wo es vielleicht in der Frequentis noch keinen Sinn macht oder wo jemand auch sagt: Ich möchte selbstständig etwas hochziehen. Das fördern wir, das unterstützen wir. Tiefere Inhalte gibt es dann auch bei uns auf der Webseite dazu.

Recruiting

Also gerade bei mir im Business Development aber auch im Research, wobei sich das ein bisschen unterscheidet, Researcher sind eher Leute, die etwas tief auf den Grund gehen wollen und Business Developer schaltet einmal dort und einmal da, das sozusagen auf der Ebene. Aber gerade für technische Jobs sozusagen vom Social Skill her, diese Freude am Neuen, dieses Umgehen mit Unsicherheit, des Akzeptieren, dass es niemanden gibt, der genau die Wahrheit weiß bzw. akzeptieren, dass es Leute gibt die glauben die Wahrheit zu wissen. Aber man weiß halt dass ist es halt noch nicht. Das ist sehr wichtig bei unserem Job solche Leute zu finden, die damit umgehen können. Grundsätzlich passiert das aber bei uns in der Frequentis, finde ich haben wir super HR-Management und auch Außenkommunikation. Das heißt, wir führen da durch den Prozess durch, es gibt eine klare Kommunikation mit den Bewerbern. Auch wenn wir dann der Meinung sind Okay es passt halt jetzt nicht, dann kommunizieren wir das normalerweise sehr schnell.

Grundsätzlich von Onboarding her, bei mir ist das so, dass es für jeden Tutor gibt. So wie wir das haben gerade auch bei mir, wenn da jemand in einem bestimmten Bereich anfängt, auch einen inhaltlichen. Inhaltlich heißt für mich: Ich habe auf der einen Seite die technischen Skills, die man mitbringen muss, weil wenn ich in neue Geschäfte gehe und Research mache, dann kann man sich quasi nicht ganz alle neuen Technologien aneignen, die man braucht, sondern es geht eher um ein inhaltliches Tutorship. Das ich sagen kann: Gut wir gehen zum Beispiel in den Bereich Dronen oder den Bereich public safety, dort muss er sehr viel Domain Know-How aufsaugen und das auch wollen. Das heißt, man muss eigentlich gern sich mit einer bestimmten Domäne beschäftigen, weil ja nur dann komme ich in die Domäne rein und dann kann ich als Entwickler einen Impact bringen. Weil dann kann ich zum Business Developer sagen: Es ist lieb, was du dir ausgedacht hast, aber technisch kannst du das vergessen. Also eigentlich das ist das was ich sozusagen auf technische Seite sowohl Softwareentwicklung, auch wenn es Engineering geht suche.

Technologien

Frequentis ist eine Technologiefirma, die aber sich immer damit beschäftigt hat, in verschiedensten Bereichen zu versuchen, Technologien, die vielleicht schon erfunden sind, die es gibt im sicherheitskritischen Bereich anzuwenden. Was heißt sicherheitskritisch eigentlich immer, weil es sind sehr viele Applikationen sicherheitskritisch. Aber bei uns heißt es halt, ich brauche gewisse Redundanz, Ausfallssicherheit. Das Zeug muss so funktionieren, dass auch wenn irgendwas davon kaputt geht oder ein Teil davon nicht funktioniert, das trotzdem nicht Leib und Leben in Gefahr kommt. Also sprich Flugsicherung - jedes technische Gerät fällt aus aber es muss irgendwie so gebaut sein, dass ein Notbetrieb möglich ist. Und das ist schon im technischen Engineering eingebaut oder im Public Safety in der Kommunikation mit Feuerwehrautos. Ich muss zumindest ein Telefonanruf absetzen können, ich muss durchkommen. Ob die SMS Funktion dann immer hundertprozentig geht - aber das muss man so vorsehen. Und das gehört sozusagen in der Technologie dazu. Aber konkret Womit arbeiten wir? Im Prinzip gerne mit jeder Technologie, die das erlaubt hätte. Heute zum Beispiel ist das große Thema wie führen wir Cloud ein, weil die in unseren Bereichen, in Englisch heißt es safety. Das heißt, es geht darum, das, was sie vorher beschrieben hat, dass niemand zu Schaden kommt. Das ist so gebaut und engineert, dass nichts passiert. Jetzt haben wir das Thema, dass diese Systeme früher abgeschottet waren. Es heißt, man hat gesagt Na gut, Security ist mir nicht so wichtig, weil es kommt eh keiner dazu. Das geht natürlich heute nicht mehr. Und damit kommen Themen wie Cloud, cloudbased Implementation sehr stark bei uns, damit man einfach auch die Security gewährleisten kann. Damit beschäftigen wir uns sehr intensiv. Die neuen Technologien bisher sehr stark auf google kubernetes Ansatz und diese ganze Containerrisierung. Das entwickelt sich aber sehr schnell und die Technologien setzt man sehr stark ein. Auf der Programmierseite haben wir relativ stark noch mit Java unterwegs, applicationseitig JavaScript und alles was es dazu gibt. Das hängt ein bisschen von Einsatzzwecke. Es ist gut, wenn Allrounder ist. Ich weiß, ich habe einmal eine Abteilung gehabt die hat nur Java programmiert, dann sind wir draufkommen, wir sind jetzt im Video Bereich und wir werden die Performance ohne C nicht nicht zusammenkriegen. Dann ist das ganze Team auf einen C Kurs gegangen. Das war bisschen überraschend für alle, aber das Team selbst hat gesagt: Okay, wenn wir das hinkriegen wollen, müssen wir C lernen. Wir haben das zwar studiert und irgendwann einmal gemacht, aber die letzten Jahre haben wir Java programmiert und die muss das aber on top Edge machen. Und insofern sage ich eine gewisse Technologieallroundership ist da gerade für Techniker wichtig. Und was schon ist, die Frequentis hat auf der einen Seite einen starke Technologie Stack, aber wir gehen immer stärker in, sagen wir mal workflow rein, dass heißt es geht um Digitalisierung.

Jetzt sage ich gerade für Technologiefirmen wie bei uns Digitalisierung – ja jetzt machen wir seit 30, 40 Jahre, aber es geht ja letztendlich darum, dass man wieder neue Prozesse, die heute noch Papier getrieben waren oder die heute noch ja, wie soll ich sagen, sehr stark von Menschen mechanisch getrieben sind. Dass man die im Prinzip technisiert und technisieren hast doch nichts anderes wie ich verstehe den Workflow und lass ihn ablaufen bis hin zum Einsatz von Deep Learning und AI. Also ich habe mehrere Förderprojekte und Forschungsprojekte im Moment, die sich damit beschäftigen. Wie kann ich Deep Learning und AI einsetzen, um solche Prozesse wirklich abzubilden. Und jeder, der sich damit beschäftigt hat weiß in den 80er Jahren hat man schon das Problem gehabt. Na super, so Deep Learning Algorithmus, aber ich kann halt nicht beweisen oder nachweisen, warum der das tut, was er tut. Und vor der Herausforderung stehen wir noch immer aber wir werden sie immer stärker einsetzen, weil es viel einfacher ist durch die Rechenleistung die verfügbar ist.

Gut, was vielleicht zum Thema Technologie noch wichtig ist für uns, wir haben immer die Herausforderung, dass unsere Systeme 20 Jahre leben sollen. Das heißt, ich baue nicht das System, sondern ich baue im Prinzip ein ganzes Ökosystem. Das heißt, das mir das Deployment, die Testbarkeit, die Updatefähigkeiten und so weiter gewährleisten muss. Das heißt, wenn ich heute eine Technologie baue, dann tu ich diese irgendwo integrieren. Jetzt gehe ich zur Eisenbahn hin, dann haben wir das in Betrieb genommen. Aber ich muss ja jährlich in der Lage sein, das upzudaten, weiterzuführen und das nicht manuell, sondern automatisiert. Das heißt, das ist standardmäßig DevOps, aber gerade in dem Umfeld geht es halt meistens ein bisschen spezifisch, weil man sagt: Gut, ich kann nicht immer die neueste Technologie nehmen, sondern muss das was ich habe möglichst weiter betreiben und versuchen, das halt mit der Neuerung, die notwendig ist, schon alleine aus der Security heraus zu verheiraten. Also das ist sicherlich aus technischer Sicht die Kombination dieser vielen Aspekte ist bei uns die Herausforderung.

 

 

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Günter Graf

Interview im August 2021